Ich habe eine Praktikumsaufgabe in 6 Tagen statt 2 Wochen geschafft – und trotzdem verloren

Zwei Wochen Praktikum. Elektronik. Die Aufgabe die normalerweise zwei Wochen dauert habe ich in sechs Tagen fertig gehabt.

Nicht weil mir jemand geholfen hat. Acht Tage statt zehn – weil ich dienstags woanders sein musste. Weniger Zeit als alle anderen, trotzdem früher fertig.

Das Ergebnis: Eine Beurteilung die mich als unzuverlässig dargestellt hat.

Was wirklich passiert ist

Ich habe schnell gearbeitet. Zu schnell bei der letzten Aufgabe. Ich wollte erst das Prinzip verstehen, danach den Feinschliff machen. Die anderen hatten mich gewarnt. Ich habe es nicht befolgt. Das war mein Fehler.

Aber was danach kam war etwas anderes.

Zuerst: ich wäre zu langsam gewesen. Das war die erste Behauptung.

Ich habe die Zeitrechnung gemacht. Tag für Tag. Dienstags war ich nicht da – also acht Tage statt zehn. Sechs davon habe ich gebraucht. Das ist nicht langsam.

Er hat kurz geschwiegen. Dann kam die nächste Behauptung: dann haben die anderen dir halt geholfen. Er hätte oft Leute neben mir gesehen.

Ich habe gesagt das stimmt nicht. Ich habe Leute gefragt ob meine Arbeit passt – das ist nicht dasselbe wie dass sie sie für mich gemacht haben.

Dann kam die nächste Linie: okay, aber selbst wenn du es selbst gemacht hast – die anderen haben zwei Wochen gebraucht, dafür aber ordentlich.

Ich war früher fertig als erlaubt. Zu schnell. Dann zu langsam. Dann hat man mir geholfen. Dann war es unordentlich.

Jedes Mal wenn ich einen Punkt entkräftet habe kam ein neuer. Nicht weil er recht hatte – sondern weil er am höheren Hebel saß und es sich leisten konnte.

Ich habe vorgeschlagen die Kollegen zu fragen die wirklich mit mir gearbeitet hatten. Er hat gesagt: Ich treffe die Beurteilung. Nicht die anderen.

In dem Moment habe ich verstanden wie das System in der Praxis funktioniert.

Das eigentliche Problem

Nicht die schlechte Beurteilung hat mich wütend gemacht. Sondern was dahinter steckt.

Mit ADHS passt du nicht automatisch in Strukturen die für andere gebaut wurden. Du kommst zu spät, machst Pausen wenn du sie brauchst statt wenn sie erlaubt sind, arbeitest in Schüben statt gleichmäßig. Das sieht von außen aus wie Unzuverlässigkeit. Es ist aber nur anders.

Das Problem: Du kannst dich jahrelang anpassen versuchen. Und trotzdem wird eine einzige Person die dich kaum kennt am Ende entscheiden ob du gut genug bist.

Das ist keine Frage von Fairness. Das ist wie das System gebaut ist.

Was das bedeutet – nicht nur für mich

Ich sage nicht dass jeder mit ADHS denselben Weg gehen soll wie ich. Das wäre genauso falsch wie zu sagen alle ADHSler sind gleich.

Aber eine Frage ist es wert gestellt zu werden: Warum warten bis du irgendwann in ein System passt das nie für dich gebaut wurde?

Es gibt ADHSler die in festen Strukturen aufblühen. Für die ist das der richtige Weg.

Aber es gibt auch ADHSler die in jedem System gegen die Wand laufen. Nicht weil sie zu schwach sind. Sondern weil ihr Gehirn Eigenverantwortung braucht statt Fremdsteuerung. Einen Maßstab den sie selbst setzen statt einen der von außen kommt.

Wenn du zum zweiten Typ gehörst – dann ist die Frage nicht wie du dich besser anpasst. Sondern ob Anpassen überhaupt dein Ziel sein sollte.

Die Initiative ergreifen – aber wie?

Nicht mit einem fertigen Plan den du irgendwo kopierst. Sondern indem du ehrlich fragst: In welchen Momenten habe ich wirklich funktioniert? Was waren die Bedingungen?

Das ist keine universelle Antwort. Aber es ist eine ehrliche.

Und ehrlich ist mehr wert als perfekt.

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